Des Jünglings Versuchung

Es schritt einst ein Jüngling im Mondlicht einher
Im finsteren Walde ging er spazieren
Die Füss war`n ihm müde, die Beine so schwer
Das tat ihn zu einer Rast inspirieren.

(Pfeifen)

Am Fusse des Waldsees setzt er sich nieder
Der funkelte schaurig im dämmrigen Schein
Er streckte behaglich die schmerzenden Glieder
Und schaute verträumt in die Tiefe hinein.

(Pfeifen)

Der Wind blies die Wellen so heimlich und leise
Und schreckliches Unheil nahm seinen Lauf.
Es brach sich das Mondlicht auf magische Weise
Da tauchte ein lieblich Gesicht vor ihm auf.

(Oh süsser Jüngling, komm zu mir hinab,
und find in der Tiefe ein eisiges Grab!)

Dem Jüngling das Blut in den Adern gefror
Doch wuchs ihm im Herzen eine sehnende Glut;
Da beugte er langsam zum Wasser sich vor
Und mit lautlosem Seufzen sank er in der Flut!

(Oh süsser Jüngling, nun bist Du mein,
für immer und ewig sollst mein Diener Du sein!).

Das Lied vom Holzfäller


Die bleischwere Axt auf der Schulter
Auf dunklen, verborgenen Wegen
So schleppst Du Dich Heim, müder Alter
Dein Tagwerk war hart und verwegen.

Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Sei nur zeitig zuhause, und pass‘ auf Dich auf!

Durch dampfende Sümpfe die Schritte
Setzt Du ohne Furcht, ohne Zagen,
Doch plötzlich im stampfenden Tritte
überkommt Dich ein fremd‘ Unbehagen.

Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Sei nur zeitig zuhause, denn sonst gehst Du noch drauf!

Was ist es nur, das da im Finstern
Dir lauert mit hämischem Lachen
Ein Laut wie von tausend Gespenstern
Es droht Dir den Gar aus zu machen.

Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Sei nur zeitig zuhause, denn sonst frisst es Dich auf!

Gleich dort hinterm Ginstergebüsche
Da regt sich ein greulich Gewürm
Es wühlt da ein heimlich Gehusche
Entblößt sich in schrecklichster Form.

Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Sei nur zeitig zuhause, denn sonst gehst Du noch drauf!

Jetzt hält Dich kein Zögern, kein Warten
Du schaust Dich nicht um, ohne Ruh
Eilst fort Du nach sich’reren Orten
Durchwanderst Die Sümpfe im Nu.

Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Sei nur zeitig zuhause, denn sonst gehst Du noch drauf!

Gleich dort hinterm Fels Dein Zuhause
Erreichst es mit Schaudern und Bangen
Und hast jetzt mit sterbendem Seufzen
Die Axt an den Nagel gehangen.
Refr.:
Lauf, alter Mann, lauf, sei so schnell wie ein Wolf,
Warst zeitig zuhause und jetzt ruh‘ Dich aus!