Werwolf

Werwolf

I. Teil

  1. Mai 1538

Heute habe ich es getan. Heute habe ich meinen Herrn verlassen.

Ich weiss wohl, dass es vielen so schlecht ergeht wie mir. Viele, vielleicht sogar die meissten meiner Standesgenossen müssen ein ähnliches, vielleicht sogar schlimmeres Verhalten über sich ergehen lassen.

Aber macht es das denn besser? Oder macht es mich am Ende sogar zu einem Verräter an meinen Landsleuten, wenn ich mich weigere, ihr Los zu teilen und stattdessen meine Freiheit suche?

Dieses Denken ist mir eingehämmert worden, von frühester Jugend an. Bleib bei deinem Stand, arbeite, sei demütig und fleissig, denn so will es Gott. Der gleiche Gott, der aber auch Milde und Barmherzigkeit predigt – vielleicht für andere dann, aber nicht für mich.

Früher dachte ich auch so. Ich schämte mich dafür, dass mich eine Sehnsucht ergriff, jedesmal, wenn ich oben auf dem höchsten Punkt des Anwesens meines Herrn stand und heimlich einen Blick über die endlosen Hügelketten am Horizont schweifen ließ. Dort, wo die Morgennebel sie noch unkenntlich machten und die aufgehende Sonne ihnen dennoch einen stillen, verheißungsvollen Glanz verlieh.

Ich habe mir meine Freiheit selbst geben müssen, weil niemand sie mir schenke wollte. Gehört sie mir denn nicht von Natur aus, meine Freiheit? Frei wie die Vögel, die sich um nichts sorgen müssen, wie die Tiere des Feldes, die sich keine Sorgen um das Morgen machen müssen, weil der Herr es für sie einrichtet.

Das Gott und die Herren unter einer Decke stecken, habe ich schon als kleines Kind vermutet, als ich zum ersten Mal geschlagen wurde, weil ich meine gottesfürchtige Arbeit nicht schnell genug zur Zufriedenheit meiner Herren verrichtet habe. Erbarmen, Liebe, Vertrauen, Gott?

Ich weiss jetzt, Gott ist ein Verräter.

18. Mai 1538

Ich habe diesen Tag in schrecklicher Angst verbracht, erst nach Beginn der Dämmerung wurde es etwas besser. Auf Flucht vor dem Herrn steht in diesem Land die Todesstrafe. Die armen Teufel, die sich fangen lassen, werden vor den Toren der Stadt aufgeknüpft und dann wochenlang dort hängen gelassen – als Warnung für alle, die vielleicht mit einem ähnlichen Gedanken spielen.

Die meiste Zeit habe ich mich versteckt, aus Angst, gesehen zu werden. Aber ich muss doch fortkommen! Gestern, nach meiner Flucht, bin ich die ganze Nacht gerannt, bis ich bei Morgengrauen vor Erschöpfung zusammengebrochen bin. In einem dichten Busch habe ich dann ein paar unruhige Stunden geschlafen, und dann weiter, die Berge hinauf, bloss nicht ins Tal. Im Tal sind Menschen, und Menschen sind gefährlich.

Meine Kutte ist alt, ich habe sie schon vor einem Jahr heimlich zur Seite gelegt. Sie ist so zerschunden, dass mich nicht mal mein gestrenger Herr damit herumlaufen lassen wollte. Vielleicht erkennt man mich nicht, aber ich sehe aus wie ein Landstreicher, jedem ehrbaren Bürger wäre ich verdächtig.

Das Herumirren bei Nacht ist gefährlich, mehrmals bin ich gestolpert und der Länge nach hingeschlagen. Aber es geht vorran, vielleicht erreiche ich morgen den Gipfel des Berges und kann mich dann zum Steilpass vorarbeiten, der dieses Tal von der nächsten Grafschaft trennt. Der Pass ist ein sehr steiler und schmaler Weg, kaum jemand wagt es, ihn zu überqueren. Wenn ich die Passage überlebe, bin ich vielleicht in Sicherheit.

19. Mail 1538

Ich habe es geschafft! Gestern Abend, mit dem Licht der letzten Sonnenstrahlen, habe ich die gefährliche Überquerung gewagt.

Und ich habe ein neues Gewand – und bin vielleicht darüber zum Mörder geworden. Auf dem Höhepunkt des Passes kam mir eine dunkle Gestalt entgegen. Bisher war es mir gelungen, allen Menschen auszuweichen, aber dieser Mann stand wie aus dem Nichts direkt vor mir – es muss an dem Nebel gelegen haben, der bis tief in die Wipfel der Bäume hing. Seinem Äußeren nach zu urteilen hätte es ein Edelmann oder sonst ein Reicher sein können, merkwürdig, einen solchen Menschen hier zu treffen.

Ich weiss nicht, wer zuerst auf den anderen losgegangen ist, wahrscheinlich war ich es wohl, verängstigt und nervös wie eingehetztes Tier. Aber meine Erinnerung sagt, dass er mich zuerst angefallen hat.

Es gab ein heftige Ringen, und er setzte mir hart, sehr hart zu, und ich bin schon immer sehr kräftig gewesen.

Letztlich war es Glück, was den Kampf für mich entschied – er verhakte sich mit einem Fuß, stürzte und fiel fast zwanzig Meter in die Tiefe, wobei er mit dem Kopf aufschlug.

Ich hatte ihn nicht töten wollen – dass ich mich nachher seines Gewandes bemächtigt habe, geschah aus bitterer Not heraus.

Da ich mit Gott gebrochen habe – bei wem soll ich jetzt Vergebung finden?

Zerschunden, zerbissen und zerkratzt setzte ich meine Flucht fort.

20. Mai 1538

Der Tag erschien mir heute seltsam unwirklich, vielleicht lag es an der ungewöhnlich klaren, hellen Sonne, die mich verwirrt hat. Dieses Licht – bisher bin ich ja nur nachts gewandert.

Auch die Kutte des Fremden hat ihren Teil dazu beigetragen. Hatte ich nicht erst jetzt die richtige Kleidung, die mir als freier Mann zustand? Oder sollte ich etwa weiter die Kleidung eines Knechts tragen, wo mein Herz jetzt doch anders schlug, mir den Puls eines anderen Lebens vorzugeben schien?

Gegen Mittag habe ich einen anderen Wanderer getroffen, und einer spontanen Regung folgend habe ich mich ihm angeschlossen. Warum auch nicht? In diesem Tal kennt man mich nicht, und ich würde mich nur verdächtig machen, wenn ich die Gesellschaft anderer Menschen meiden würde.

Meine Kleidung zeichnet mich als einen Menschen gehobenen Standes aus, ich habe mich als Unterhändler eines Kaufmanns ausgegeben. Das klingt glaubwürdig und kann nur schwer überprüft werden. Vor allem, weil mein neuer Gefährte eines niederen Standes zu sein scheint,während ich mich jetzt einer gehobeneren Ausdrucksweise zu bedienen versuche – was mich einiges an Anstrengung kostet. Ich spreche die Sprache der Unterdrückten – die Zunge sollte mir dafür im Munde verfaulen, wenn ich nicht dazu gezwungen wäre!

Etwas schwerer war es, die Biss- und Kratzwunden zu erklären, mit denen ich seit dem Kampf mit dem Fremden übersäht war. Ich sagte, ich wäre von einem Wolf angefallen worden, was hier in der Gegend schonmal passieren kann.

21. Mai 1538

Gestern Abend haben wir an einer Waldlichtung Halt gemacht, die hinter einem Felsvorsprung versteckt liegt. Die Gegend wirkt hier sehr düster, nach Beginn der Dämmerung beherrschen dunkle Schatten das Land. In meiner Kindheit habe ich mir Schauergeschichten anhören müssen, von Gespenstern, Werwölfen und üblen Dämonen, die in die Körper unschuldiger Menschen fahren und von ihnen Besitz ergreifen. Mir haben diese Geschichten damals Angst gemacht, auch wenn ich für mein Leben nicht zugeben wollte, dass ein Teil von mir nicht der starke, unnahbare Junge war, der ich immer hatte sein wollen. Im Grunde war ich häufig zutiefst verstört gewesen, nicht nur von den Gespenstergeschichten, sondern viel mehr noch von dem, was die fahrenden Händler, Landstreicher und Söldner, die Gelegentlich durch Land reisten, von der Welt draussen zu Berichten wussten. Es gab da soviel Gewalt, soviel Blut und soviel Grausamkeit – und viel Ungerechtigkeit, die aber nie von irgend jemandem erwähnt wurde. Totgeschwiegen, und dann aber immer das Gerede von großen, allmächtigen und gerechten Gott, das ich deshalb nicht verstehen konnte oder wollte.

Und natürlich die grausamen Geschichten von der Hölle und von ewigen Seelenqualen für arme Sünder, die sich dem Gesetz Gottes nicht fügen wollten – dies Geschichten ängstigten mich am meisten von allen.

Wir hatten also an jener Lichtung halt gemacht, es schien ein sicherer Platz zu sein, da sie fast völlig von Sträuchern überwuchert wurde. Die Beeren der Sträucher waren zudem essbar.

Inzwischen waren wir übrigens zu dritt, ein halbwüchsiger Knabe hatte sich uns angeschlossen.

Er redete nur wenig, und schon gar nicht über seine Herkunft – zerzaust und halb verhungert hatten wir ihn aufgelesen.

Da sein Wandern kein Zeil zu haben schien, nahmen wir ihn mit, warum auch nicht? Hier draussen in der Wildnis kann eine einzelne arme Seele kaum überleben, und schon gar nicht ein halbes Kind.

22. Mai 1583

Dieser fremde Junge hat etwas merkwürdiges an sich. Heute ist er schon vor Morgengrauen aufgewacht und hat wirres Zeug geredet – meinem Begleiter zufolge hat er sogar zuerst um Hilfe gerufen, ich bin erst kurz nach ihm mit Kopfschmerzen aus unruhigen Träumen aufgewacht.

Es hat lange gedauert, ihn wieder zu beruhigen, zumal er unsere Sprache nur sehr schlecht zu sprechen und zu verstehen scheint. Zuerst schien er sogar Angst vor mir zu haben, er wehrte sich mit Händen und Füßen, als ich mir die leichte Kratzwunde anschauen wollte, die er an seiner Wange trug.

Auch nachdem wir aufgebrochen waren, machte er einen verängstigten, verschlossenen Eindruck – vielleicht war es ein Fehler, ihn überhaupt mitzunehmen.

Gegen Mittag erreichten wir ein kleines Dorf. Ein paar baufällige Hütten am Rande des Weges, auf einer nahegelegenen Anhöhe stand etwas, das wohl eine Kirche sein sollte. Aus einigen zusammengesuchten Steinen war eine kleine Rundmauer mit drei kleinen Fenstern und einer großen Türe errichtet worden, das Dach bildeten die Stämme einiger Bäume, von denen Äste und Rinde entfernt worden waren. Die Stämme trafen sich in etwa zweieinhalb Metern Höhe, an der Spitze thronte ein rustikales Holzkreuz. Eine Dachbedeckung fehlte.

In Anbetracht der ärmlichen Verhältnisse, in denen die Menschen hier lebten, immer noch ein beachtliches Bauwerk.

Ich frage mich, was die Leute zu so einem Bauwerk antreibt? Hier gibt es niemanden, der unterdrückt werden müsste, und für Gnade lässt die harte Arbeit auf dem Feld keine Zeit.

Die Kirche blieb mir deshalb im Gedächtnis, weill wir dort unseren jetzt also vierten Mitreisenden aufgelesen haben. Ein schweigsamer älterer Mann in einer abgetragenen Kutte. Wir trafen ihn, kniend in einer Ecke der Kirche, in die der Junge aus unerfindlichen Gründen gestürmt ist, sobald sie am Wegesrand aufgetaucht war.

Ich ging hinein, um ihn zurückzuholen – meine Geduld mit diesem Kind ist jetzt mittlerweile fast am Ende. Als ich über die Schwelle trat, schrak der alte Mann aus seinem Gebet auf und starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Ich gebe zu – da die Wunden, die ich im Kampf mit dem Fremden davongetragen habe, noch immer nicht verheilt sind, bot ich vielleicht einen für einfältige Gemüter etwas furchteinflößenden Anblick. Besonders dei große Wunde an meinem Hals schmerzte noch und war wohl gerade, als ich die Kirche betreten hatte, wieder aufgebrochen.

Nachdem ich die Kirche mit dem Junge wieder verlassen hatte, trat ich zu meinem Begleiter, der mit zwei Dorfbewohnern in ein Gespräch vertieft war, um sich nach dem Weg zu erkundigen.

Das Gespräch zog sich einige Minuten hin, wenigsten glaubte ich jetzt den Grund für das Erschrecken des alten Mannes zu kennen: es ging das Gerücht um, in der Gegend würde ein bösartiges Monster sein Unwesen treiben, ein Mann, der den Teufel im Leib hatte, oder wie auch immer. So ein Gerücht, in Verbindung mit meinem zerschundenen Äußeren…

Der Mann schien sich auch wieder beruhigt zu haben, denn er war einen Moment später ebenfalls aus der Kirche herausgetreten und gesellte sich zu unserer Gruppe, nahm mit ruhigen, freundlichen Worten an unserem Gespräch teil, und als sich herausstellte, dass wir das gleiche Ziel hatten, bot er an, uns zu begleiten. Er schien den Weg sowie die Gegend im Allgemeinen gut zu kennen, und so nahmen wir das Angebot gerne an.

23. Mai 1538

Ich schlafe so schlecht in der letzten Zeit, Ich komme kaum zur Ruhe, und wenn ich es dann geschafft habe, die Augen zu schließen, suchen mich schreckliche Albträume heim. Immer wieder taucht der Fremde darin auf, dessen Gewand ich jetzt trage. Es muss mein schlechtes Gewissen sein, das mich nachts nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich sehe immer wieder die starren Augen des Toten, und sie sind rot und blutunterlaufen. Wenn ich dann schliesslich aufwache, zittere ich am ganzen Körper und bin in Schweiß gebadet. Auch wollen die Wunden nicht verheilen, sie reissen immer wieder von Neuem auf.

Aber mir scheint, wir haben hier ein noch viel größeres Problem. Heute morgen hat sich beinahe genau das Gleiche zugetragen wie gestern Morgen: Der Junge begann in aller Hergottsfrühe verzweifelt und in panischer Angst, um Hilfe zu schreien. Aufgrund meiner eigenen unruhigen Nacht habe ich ihn wieder als letzter gehört.

Er hat wieder neue Verletzungen im Gesicht, ein blutiger Kratzer läuft ihm quer über die Stirn. Der alte Mann, der seit Gestern unser Begleiter ist, scheint die Sprache des Jungen leidlich zu sprechen und zu verstehen und sagt, der Junge habe im Mondlich zuerst ein paar rote Augen gesehen, und dann habe ihn irgend etwas aus dem Dunkel heraus angegriffen.

Der alte Mann blieb erstaunlich ruhig, während er dies erzählte, fast, als hätte er nichts anderes erwartet. Es scheint mir, als würde er eine Verbindung sehen zwischen den Gerüchten über ein Monster, dass in dieser Gegend umgeht, und dem heutigen Vorfall. Ich selber weiss nicht recht, was ich denken soll – die Sache ist merkwürdig, und es gibt zweifelsfrei solche Wesen. Immer wieder hat man uns als Kindern davon erzählt.

Ich weiss jetzt aber, was mich an dem alten Mann stört, und mich schon vom ersten Augenblick an gestört hat: es ist das silberne Kreuz, dass er auf seiner Brust trägt. Seit meiner Flucht habe ich auch mit Gott endgültig gebrochen, udn der Anblick dieses Kreuzes löst bei mir körperliche Übelkeit aus.

Was bleibt uns anderes übrig, als unsere Reise fortzusetzten? Der Junge ist blass und sehr verängstigt, er spricht kaum ein Wort und weicht dem alten Mann nicht von der Seite. Meine Wunden wollen nicht heilen und verleihen mir ein etwas wildes Aussehen – manchmal kommt es vor, dass wir auf unserem Wege andere Wanderer treffen und sie erschreckt vor mir zurückweichen.

25. Mai 1538

Wieder ist etwas merkwürdiges geschehen – am Abend hätten wir die Stadt erreichen sollen, aber wir befinden und jetzt stattdessen in einem engen, kleinen Tal. Wie kann das sein? Wir haben uns der Führung des alten Mannes anvertraut, schliesslich ist er der Ortskundige unter uns. Deshaln haben wir ihn schliesslich mitgenommen! Unseren Vorwürfen gegenüber verhält er sich schweigsam. Es täte ihm Leid – mehr sagt er nicht.

Ich glaube, es war überhaupt ein Fehler, mich anderen Leuten anzuschiessen.

26. Mai 1538

Jetzt endlich verstehe ich. Deshalb die Albträume, deshalb diese Wunden, die nicht heilen wollen, und deshalb diese unerklärlichen Angriffe auf den Jungen.

Ich bin es, ich bin das Monster, das diese Gegend heimsucht. Oder vielmehr, ich bin es jetzt, denn vor mir ist es der Fremde gewesen, dessen Kutte ich trage, und dessen Blut – wenn auch ungewollt – an meinen Händen klebt. Dadurch, dass ich ihn, dass ich dieses Monster getötet habe, bin ich selbst zum Monster geworden. So sagen es die alten Legenden, man kann einen Werwolf nur endgültig töten, in dem man ihm ein silbernes Kreuz ins Herz stößt. Genau das, was mir jetzt wiederfahren wird.

Ich bin an einen Baum gebunden, gefesselt mit einigen Lederriemen, die meine Gefährten von ihren Gewändern oder ihrer Ausrüstung genommen haben. Der Junge liegt tot mit zerfetztem Leib ein paar Meter weiter am Boden – offenbar ist der Plan des alten Mannes nicht ganz aufgegangen. Jener Plan, den er schon in dem Moment gefasst hat, als er mich in der Kleidung des Fremden die Kirche hat betreten sehen.

Ich sehe an mir herab und sehe nicht meinen Leib, sondern den eines zu Menschengestalt emporgewachsenen Wolfes. Schwarzes, dichtes Fell bedeckt meine Arme, meine Beine und meinen Körper.

Ich betrachte den zerfetzten Leib des Jungen, und ich spüre keine Reue. Mitleid, Nächstenliebe, Erbarmen – was bedeutet das für mich, für das Monster, das sich von Gott losgesagt hat?

Vor mir steht der alten Mann, das Silberkreuz hoch empor gehoben. Er kommt langsam auf mich zu und spricht laut einige beschwörende Worte in derselben Sprache, die nur er und der Junge verstehen. Dann holt er aus und rammt mir das Kreuz mit voller Wucht mitten ins Herz.

Es ist noch fast dunkel, als ich aufwache, auch wenn die ersten Sonnenstrahlen schon langsam am Horizont auftauchen.

Ich reisse meine Fesseln mit einigen wenigen, schnellen Bewegungen von mir, und gehe zuerst zu dem alten Mann, dann zu meinem anderen Gefährten. Dem alten Mann reisse ich mit der rechten Pfote den Kopf ab, dem anderen breche ich einfach das Genick – ich habe noch meine Wolfsgestalt, aber das Fleisch des Jungen hat meinen Hunger gestillt.

Der Sonnenaufgang schreitet rasch voran, und ich beginne, mich zu verwandeln. Langsam nehme ich wieder menschliche Gestalt an. Die dunkle, zottige Behaarung verschwindet, die verkrümmten Gliedmassen gehen zurück auf ihre ursprüngliche Größe. Ich erhebe mich aus dem Blutbad, das ich angerichtet habe, und recke meine menschlichen Arme zur Sonne empor. Gewissensbisse habe ich keine – ich bin ein Monster, ohne Gott, ohne Herrn und ohne Moral.

Nur eine Frage ist es, die groß in meinem Kopf steht – warum, um alles in der Welt, habe ich überlebt?

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