Raserei

Mein Schloss im Grünen
Ist voll von blauen Räumen,
In denen gelbe Wände
Von roten Zimmern träumen.

Der schwarze Saal
Ist ein türkises Zimmer,
Das braun zu streichen ich befahl,
So ward er weiß für immer.


Sitzen sie auch gut, die eleganten samt roten Stiefel? Hat er auch den echten, standesgemäßen Schnitt, der hochgeschlossene Mantel, den er trägt? Es muss gut geschaut, gut kontrolliert werden, damit auch ja alles recht und ordentlich ist – denn sonst verdirbt es einem den Tag, und man könnte miesepetrig oder gar unleidlich werden.

Doch so nun alles an seinem Platze ist…lasset uns gehen! Lasset uns schreiten durch das große stolze Tor, das hineinführt in den herrlichen Thronsaal!

Gut anzuschauen ist er, auf das die Menge der Bewunderer etwas zu staunen und zu begaffen hat, wenn er eintritt, ihr Gebieter, ihr Herr und Meister – der Graf. Und aus tausend hellen Kehlen erklingen die Jubelrufe.

In der Mitte des Saales steht er jetzt, und wendet den Blick würdevoll in Richtung Spiegel, auf die edle Gestalt hin, die dort wohnhaftig ist – es ist der Gruß zu entrichten, darum geht es, deswegen sind wir hier.

Wie sie sich doch gleichen, die beiden Gestalten, und wie sie in holdem Einklang den Rumpf voreinander beugen – los, aufstellen, in wohl geordneten Zweierreihen, und hurtig dabei es dem Herrscher nach zu tun! Und stoßen sie aneinander, die Köpfe, so waget nicht, zu klagen! Ist es doch, um einer großen Sache zu huldigen.

Ob es heute wohl nach Plan verlaufen wird? Ob des Grafen Tollkühnheit und Mut genügend sind, die alten Regeln zu erfüllen? Es scheint, denn – oh, habt acht, der Herr beginnt sich zu bewegen, nimmt Anlauf, und jetzt läuft er gar, läuft, schnell wie der Wind, nur immerzu und direkt auf den Spiegel hin. Und mit einem Satz ist er hindurch, und ist gleichzeitig wieder da, fällt heraus und herein, wer kann sagen, was zuerst und was später war….und der Thronsaal kaskadiert, multipliziert, eskaliert in tolldreister Wahrhaftigkeit. Wo einer war, da sind jetzt viele, und sie alle sind bunt wie der Regenbogen. Im Lila sieht man in hin stürzen, nach dem großen Satz, der wohl des Guten dann zu viel gewesen. Im Roten bleibt er stehen, antriebslos, was soll er auch – ist doch alles schon gewesen, was fort zu sein nicht allzu sehr gebrach. Im Grün jedoch, da sieht man ihn noch immer — stehen sieht man ihn in inniger Verbeugung, und wie erstarrt ist seine Zeit. Was sollen wir – wir können uns nicht halten, ihm gleichzutun ist eines Meisters Volkes Sinn und Zweck und auch sein Fluch. Zerstreut Euch, hechtet, rennt, und wehe dem, der dort noch steht wo man schon itzt ihn stehen sah…..nur durch die Türen durch, und in die Spiegel rein, vom Rot ins Blau, und vorher durch das Gelb. Im Gelb, da ist er selber grad, läuft kreuz und quer, grad wie es ihm beliebt. Er springt. Er rast. Um ihn herum rotiert die Welt. Und kommt er gar ins Grün, so packt ihn wieder neckische Begier – sieht dort sich selbst, erstarrt, den Hintern zugekehrt, und kann sich nun den Tritt nicht mehr verkneifen—sein Fuß trifft auf, der Fuß, den wir vor Hunderttausend Jahren in edle Stiefel gut verhüllten, der Fuß, den er jetzt schmerzhaft wohl im eigensten Gesäße spürt. Und da ist’s auch vorbei – die Räume schwinden, wo eben noch die Farben lichterbunt rotierten, ist jetzt nur schnöde Wirklichkeit. Wie Schade – benommen stöhnend liegt das Volk am Grunde, doch gut – es war ein herrlich schöner Schabernack.

Der Graf, von all dem nur und tief im weissnichwo berührt, er streicht sich seinen Mantel glatt, er richtet seinen Frack…und eilt von dannen, hin zu andern Orten…fort.

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