Endzeit

Es ist schon spät, ich bin sehr müde, als ich endlich nach Hause komme.
Eigentlich hatte ich für den Abend noch Pläne gehabt – ein wenig rauszugehen, irgendwohin.
Doch auch wenn es für späten November ungewöhnlich mild draußen ist, kann ich mich nicht mehr dazu aufraffen. Ich lege mich auf mein Bett und lasse den Tag enden.
Ich lasse auch kein Licht brennen – im Dunkel der Welt werden die Schatten in meinem Kopf nur umso deutlicher.
Es ist eine tiefe Zufriedenheit, die mich erfüllt – willenlos lausche ich den Bilder.
Eines taucht aus der Tiefe empor, mit einem eigenen, unverwechselbaren Leuchten – es ist ein Ort, den ich kenne, Gesichter, die mir vertraut sind. Noch nie habe ich etwas so schönes gesehen – diese Ruhe, der Friede und ihre endlose liebevolle Geduld. Ich bewege mich zu auf diesen Ort, leicht und selbstverständlich wie von selbst.
Ich merke wohl, die Schönheit der Ewigkeit fordert einen Preis von mir: Dieser Ort gehört ganz mir, und deshalb muss auch ich ganz ihm gehören.
Es ist die Vollkommenheit dieses Zuhauses, das alles enden lässt – ich spüre noch, wie es mich langsam meiner selbst enthebt, dann bin ich eins geworden.

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(Autopsiebericht:
Der Tod trat am 17.11.06 um 22:42 Uhr ein. Ursache war ein Arterienverschluss im vorderen Stammhirn, vermutlich trat hier eine angeborene und unerkannt gebliebene Gewebeschwäche zutage. Derartige Vorkommnisse sind leider nicht völlig auszuschließen, da eine wirkungsvolle Prädiagnosetechnik bis heute fehlt.)

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