An einem Sonntag im August

...einer gleichnamigen Kneipe am Prenzlauer Berg gewidmet

Es war ein ganz gewöhnlicher Sommertag, der mein Leben verändern sollte. Ich kam von der Schule, und die Welt mochte mich nicht wirklich. Vor mir lag die blaue Fläche des Müggelsees, ich war müde, und der Weg nach Hause war, einfach so geradeaus gegangen, für heute einfach nicht weit genug.
Ich setzte mich, ich weiss nicht mehr, auf einen Stein, neben mir war Gras. Ein Feuerzeug fand ich in meiner Tasche, und ich begann zu rauchen, meine Seele wanderte, und mein Blick glitt weiter und weiter über den blauen See.
Mir war so, mir wurde – und auf einmal fand ich mich wieder, in einer hellen Kugel, hoch über dem See. Meine Arme und Beine waren ausgestreckt, sie formten die Begrenzung der Sphäre, in der ich schwebte. Ein sanftes Zucken mit der Hüfte, und ich drehte mich um mich selbst. Mein Kopf blickte in den Himmel, das Blau öffnete mir die Augen und ich erkannte Sterne und Planeten, Gasnebel und Kometenschwärme.
Wieder ein Zucken der Hüfte, ich stand jetzt – mit dem Kopf nach unten, eins meiner Augen starrte in den See, und sah auch dort – sah bis auf den Grund, sah durch das Blau hindurch Schlösser und Meerjungfrauen. Ein weiterer Stoss, und noch einer, ich begann zu rotieren, immer schneller, auf und ab.
Das Blau erfüllte mir den Kopf, drang in mich ein – das Blau, und gleichzeitig die Freiheit, und aller Glaube und Zuversicht dieser Welt.
Ich öffnete den Mund, ich weiss nicht mehr, um zu schreien oder nur um Atem zu holen.
Aber dann zerplatzte die Kugel um mich herum, ich fiel zu Boden, fiel schneller als ein Stein, doch schlug sanft auf, leicht und zart wie eine Feder, ohne mich zu verletzen.
Etwas benommen richtete ich mich auf, nahm meine Schultasche, die willenlos im Gras lag, hängte sie mir um und ging langsam nach Hause. Glücklich war ich, und zufrieden – nichts ist seitdem, wie es war.

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