Der Sturz

Ein Männlein lief auf einem Wege
Allein und schutzlos durch den dunklen Wald.
Nicht, das an ihm mir etwas läge –
Sein Wohl und Weh, dass lässt mich kalt.

Voll sumpf’ger Wege, tiefer Spalten
Mal ich mir nun die Landschaft aus,
Bös‘ und bedrohlich will ich sie gestalten,
Mit Bestien, garstig und voll Graus.

Doch plötzlich fährts mir in die Knochen:
Will’s mir mit Dir ja nicht verderben,
und hab’s dir ja wohl auch versprochen:
‚In dem Gedicht darf niemand sterben!‘

Ich seh’s ja schon an Männleins‘ Laufen
Es schaut gehetzt sich um, voll Schauer
Nimmt sich nicht Zeit, will nie verschnaufen,
Als läg‘ ein Unheil auf der Lauer…

Was hat es nur, das es sich gar so eilet?
Oh Schreck–die Monster hab ich ganz vergessen;
Wer hier nur einen Augenblick verweilet,
Nun, der wird Todsicher gefressen!

Doch hab mein Wort ja ich gegeben,
Und greife in die Handlung ein:
Ich lass‘ den Monstern zwar das Leben,
Doch soll’n sie Vegetarisch sein!

Das Männlein fühlt sich froh und munter,
Es läuft und klettert gar behende,
läuft Berg und Felder rauf und runter
Erreicht schon bald des Waldes Ende.

Doch an dem Rand, wie geht’s da weiter?
Ich merk’s zu spät – da hat ich nichts bedacht!
Mit einem Schrei fällt’s in die Tiefe,
Entschwindet schnell in finst’rer Nacht!

…Oh Weh, wie fühl‘ ich mich beklommen:
Jetzt ist es doch noch umgekommen!

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